In den schweren Stunden des Abschiednehmens richten wir unseren Blick voller Dankbarkeit für sein liebevolles, zurückhaltendes Wesen auf IHN, den stillen, erfolgreichen jungen Mann, der Ihnen liebe Familie Pohl, so viele Stunden der Freude - nicht ohne Sorge zwar, von klein auf - mit dessen Leben soviel Schönes in den Erinnerungen verwoben ist: "Warum weint ihr denn alle? Wir haben ihn doch kaum gekannt!?", hat er am Grab seines Urgroßvaters geflüstert.
Und so merkwürdig das in ihren Ohren jetzt klingen mag, gestatten Sie mir an dieser Stelle ein ganz persönliches Wort: Danke Chris, von Herzen danke ich Dir! Es wäre schön gewesen, wenn wir und unter anderen Umständen kennen gelernt hätten, als unter den nun schmerzlich gegebenen: in Deinem Sterben hast Du mich an Deinem Leben teilnehmen lassen und daür danke ich Dir von Herzen!
Und: Ich danke Ihnen, liebe Familie Pohl. Es war schon außergewöhnlich, wie wir uns kenengelernt haben, wie wir in der Stunde des Nichtwahrhabenwollens, der Fassungslosigkeit, der Trauer und der gemeinsamen Tränen darum gerungen haben, unserem "Geheimnisträger" Chris in seiner Lebensnot und den dunkelsten Minuten seines irdischen Weges, seinem und unserem WARUM auf die Spur zu kommen:ich danke Chris - Deinem Bruder Andreas und Deiner Schwester, Deiner Mutter und Deinem Vater - Deiner verehrten Großmutter, die Du ein Stück Deines letzten Weges hast teilhaben lassen.
Und - ich danke den Beamten der Bundespolizei über Leipzig hinaus, die in der Sensibilität eigener Fassungslosigkeit uns so tapfer zur Seite standen, denen keine Frage zu lästig, keine Bitte zu viel und keine Zeit zu schade war, jetzt - in dieser Situation - für uns da zu sein.
Was er wollte, daß hat er auch durchgezogen: mit der Skepsis eines stillen Beobachters hat er im Kreise seiner Freunde gelacht und gescherzt, auf Reisen durch die Welt, die Welt und andere Lenenskulturen kennengelernt und für sich neu entdeckt. Er wusste, was er wollte und hat dann kompromisslos seine Grenzen abgesteckt.
Und so, wie die ihn mir beschrieben haben, die ihn lieb haben - über sein Sterben hinaus -, würde er jetzt versuchen, für uns tröstende Worte zu finden:
"Ich bin in eine andere Welt gegangen. Das, was ich für Euch war, bin ich immer noch.Gebt mir den Namen, den ihr mit gegeben habt. Sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt. Lacht weiter über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben. Warum soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein, nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin? Ich bin nicht weit weg. Ich bin nur auf der anderen Seite des Weges."
So war er, unser Chris. Angesichts eines solchen Menschen ist unser Verlustgefühl geradezu überwältigend. Wir lesen die Zeitung und stellen fest, dass alles schon wieder schlimmer ist als am Vortag.
Unsere Seele ist traurig über all die Armut, den krieg und die Zerstörung. Und vielleicht können wir keinen Sinn mehr in unserem Glauben sehen, nicht nur, weil wir innerlich müde werden, sondern auch, weil irgendjemand sich über unsere Art des Denkens und Betens lustig macht. Unsere Überzeugungen scheinen plötzlich altmodisch, unnütz.
Selbst unser Glaube scheint auf wackeligen Beinen zu stehen. So oder ähnlich können Enttäuschungen in unserem Leben aussehen. Ein Teil von uns hält sich gern an der Illusion fest, dass unsere Verluste gar nicht real sind, dass es sich dabei nur um vorübergehende Störungen handelt. Die Aufrechterhaltung dieser Leugnung kostet uns sehr viel Kraft. "Unsere Veluste sollten uns nicht daran hindern, am Eigentlichen festzuhalten," sagen wir uns...Unser vollgestopftes Leben trägt nur dazu bei, uns von der Auseinandersetzung mit den unausweichlichen Schwierigkeiten abzuhalten, denen wir uns alle irgendwann stellen müsen. Es ist, so schmerzlich es ist, unabänderlich. Er wird uns nie mehr laut bei unserem Namen rufen.
Er hat uns voraus, seine Richtung ins ewige Leben gefunden:"auf der anderen Seite des Weges" und lässt uns in der quälenden Ungewissheit unserer Selbstzweifel zurück; wir wissen kaum noch die Richtung.-